Bachhaus Eisenach

Museum der Neuen Bachgesellschaft e.V.

04.06.2026

Sonderausstellung 2026

Phänomen Bachfest

Ab dem 4. Juni 2026 erinnert die Ausstellung „Phänomen Bachfest: 125 Jahre Bachfeste – 100 Bachfeste“ an die Erfindung der Bachfeste durch die Neue Bachgesellschaft (NBG) vor 125 Jahren. Heute werden weltweit jährlich über 80 Bachfeste zelebriert: als Festivals, Bachtage oder Bachwochen. Die Ausstellung in Eisenach erzählt von der Geburt eines Phänomens.

1899 hatte der Leipziger Universitätsmusikdirektor Hermann Kretzschmar die Idee, regelmäßige Bachfeste zu feiern und damit „Propagada für Bach“ zu machen. Zur Organisation gründete er 1900 die „Neue Bachgesellschaft“ (NBG) in Leipzig. 1901 feierte sie ihr erstes Bachfest in Berlin. Anschließend fanden die Bachfeste der NBG zuerst alle zwei Jahre und dann jährlich an wechselnden Orten in Deutschland statt. Zum Jubiläum 2026 hat die NBG ihr 100. Bachfest mit dem Bachfest Leipzig verbunden. 2027 feiert sie ihr 101. Bachfest in Eisenach.

Der Schneeball, den die NBG 1901 in Berlin ins Tal schickte, wurde zur Lawine, denn schnell fand die Idee Nachahmer. Unabhängige Bachfest wurden bereits 1907 in Essen und 1908 in Dortmund gefeiert. Mit eigenen regelmäßigen Bachfesten begannen 1908 Leipzig und ab 1912 der Bethlehem Bach Choir in Pennsylvania. Viele weitere folgten. Heute werden mindestens 83 verschiedene Bachfeste meist jährlich auf der Welt gefeiert, in Europa und den USA, in Kanada, Paraguay, Australien, Indien und in Malaysia, dort sogar das größte.

Die Ausstellung im Bachhaus Eisenach widmet sich einem Phänomen, das es für keinen anderen Musiker gibt. Sie erzählt nicht nur die Geschichte von den jetzt 100 Bachfesten der NBG, sondern auch die von 59 weiteren, anhand von Programmen, Plakaten, Fotos, Autographen, Filmen und historischen Tonaufnahmen.

„Phänomen Bachfest: 125 Jahre Bachfeste – 100 Bachfeste“. Sonderausstellung ab 4.6.2026. Bachhaus Eisenach, Frauenplan 21, 99817 Eisenach, täglich geöffnet 10.00 bis 18.00 Uhr, Tel. 03691 79340, www.bachhaus.de

Eröffnung und Pressetermin: 4. Juni 2026, 10 Uhr.

59 Bachfest-Veranstalter weltweit haben zur Ausstellung im Bachhaus ihre Plakate, Programmhefte und Souvenirs beigetragen. Foto: André Nestler / Bachhaus Eisenach.

Medienresonanz

Fotogalerie

Hochaufgelöste Versionen der Fotos erhalten Sie durch einen Linksklick auf die Vorschau. Wir bitten im Falle einer Weiterverwendung um eine Rechteangabe, Foto: André Nestler / Bachhaus Eisenach.

Von 1901 bis 1949

Foto: André Nestler / Bachhaus Eisenach

Im ersten Ausstellungsraum geht es um die Erfindung regelmäßiger Bachfeste im Jahr 1899, die Gründung der Neuen Bachgesellschaft zu ihrer Durchführung im Jahr 1900, ihr erstes Bachfest in Berlin 1901 und die Kontroversen um die Aufführungspraxis auf den frühen Bachfesten.

Foto: André Nestler / Bachhaus Eisenach

Die zweitägigen Feierlichkeiten zur Einweihung des Eisenacher Bachdenkmals 1884 waren eines der Vorbilder dafür, wie Bachfeste sich gestalten sollten.

Foto: André Nestler / Bachhaus Eisenach

In der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche wurde am 21. März 1901 das „erste deutsche Bachfest“ eröffnet. Drei Persönlichkeiten der Neuen Bachgesellschaft aus Berlin richteten es aus: Siegfried Ochs, Leiter des Philharmonischen Chors, Joseph Joachim, Direktor der Königlichen Hochschule für Musik, und Georg Schumann, Direktor der Sing-Akademie zu Berlin. In London hatte es schon 1895, 1897 und 1900 „Bach Festivals“ des London Bach Choir gegeben, danach nur noch sporadisch, erst 1990 wurde die Tradition wiederbelebt. Leipzig feierte seit 1908 unregelmäßig eigene Bachfest, jährlich seit 1999.  

Foto: André Nestler / Bachhaus Eisenach

Die Programmbücher der jetzt 100 Bachfeste der Neuen Bachgesellschaft bilden den roten Faden, der chronologisch durch die Bachfest-Geschichte führt.

Foto: André Nestler / Bachhaus Eisenach

In Bethlehem, Pennsylvania, hatte der von John Frederick Wolle 1898 gegründete Bach-Chor am 27. März 1900 die h-Moll-Messe aufgeführt, nun feierte er im Mai 1901 sein dreitägiges „Second Bach Festival“; es folgten dort weitere Bach Festivals 1903, 1904 und 1905, seit 1912 bis heute gibt es sie jährlich. Auf den deutschen Bachfesten der Neuen Bachgesellschaft von 1904, 1907, 1908 und 1910 wurde unterdessen heftig um die „richtige“ Aufführung von Bachs Musik gestritten und darum, ob die Feste weiter in Deutschland „wandern“ sollten oder ein fester Ort wie Eisenach oder Leipzig besser wäre. Nun entstanden erste Bachfeste in Deutschland unabhängig von der Bachgesellschaft: In Essen (1907) und Dortmund (1908 und 1909) blieben es einzelne Feiern, Leipzig begann 1908 und Eisenach begann 1925 mit unabhängigen regelmäßigen Bachfesten. Die Baldwin Wallace University (Ohio) startete 1933 mit regelmäßigen Bachfesten, die bis heute fortbestehen.

Foto: André Nestler / Bachhaus Eisenach

1911 wurde aus Paris die Cembalistin Wanda Landowska zu einem „Duell“ auf das kleine Bachfest der Neuen Bachgesellschaft in Eisenach eingeladen: Die gleichen Stücke erklangen nacheinander auf Cembalo und auf dem Flügel. Die Bachgesellschaft hatte sich wohl ein diplomatisches Urteil erhofft, also dass man Bach so oder so spielen könne, doch für Landowska gab es endlose Ovationen und die internationale Presse verkündete den Sieg des Cembalos. Es war der Durchbruch für die Verwendung des Cembalos bei Bach-Konzerten. Am Tag vor dem „Duell“ hatte Landowska auch das Bachhaus besucht und die historischen Instrumente ausprobiert, die hier bis heute stündlich vorgeführt werden.

Foto: André Nestler / Bachhaus Eisenach

1934 hatte die Neue Bachgesellschaft Versuche abwehren können, sie auf nationalsozialistische Ziele einzuschwören und in NS-Kulturorganisationen einzugliedern. Nicht verhindern konnte oder wollte sie, dass ihr 22. Bachfest 1935, zu Bachs 250. Geburtstag, propagandistisch als „Reichsbachfest“ in Leipzig gefeiert wurde. Beim Eröffnungskonzert saßen Hitler, Goebbels und Gauleiter Mutschmann mit Oberbürgermeister Goerdeler auf Ehrenplätzen im Gewandhaus. Zuvor war Hitler die neugestiftete Bach-Plakette der Stadt Leipzig verliehen worden. Ein Exemplar dieser Plakette ist hier ausgestellt.

Foto: André Nestler / Bachhaus Eisenach

1935 gründeten sich in Winter Park (Florida) und Carmel (Kalifornien) neue Bachfeste, 1942 folgte Saint Louis (Missouri), sie alle finden bis heute jährlich statt. Die Neue Bachgesellschaft war 1900 von jüdischen und jüdischstämmigen Mitgliedern mitgegründet worden, in der NS-Zeit erhielten sie Berufsverbote, wurden verfolgt, sie mussten flüchten oder wurden ermordet (wie 1943 die Witwe von Siegfried Ochs in Theresienstadt). 1943 wurden die Geschäftsräume der Bachgesellschaft in Leipzig zerstört. Ihre Zukunft in der Sowjetzone blieb lange ungewiss, bis 1950 hielt sie keine Bachfeste mehr ab. In die Lücke stießen das Internationale Bachfest Schaffhausen (ab 1946), die Greifswalder Bachwoche (ab 1946) und die Bachwoche Ansbach (ab 1947).

Von 1950 bis 1989

Foto: André Nestler / Bachhaus Eisenach

Der zweite Ausstellungsraum macht bereits optisch deutlich: Der Schneeball, den die Neue Bachgesellschaft 1901 ins Tal schickte, hat eine Lawine ausgelöst, überall auf der Welt entstehen immer weitere neue Bachfeste. Die Neue Bachgesellschaft selbst gerät dagegen nach 1950 zunächst in die Mühlen der ideologischen Konfrontation zwischen Ost und West.

Foto: André Nestler / Bachhaus Eisenach

1949 war die Neue Bachgesellschaft dem Kulturbund der Sowjetzone beigetreten, um weiter Feste auch im Osten feiern zu können. Damit war sie Teil des pompösen Bachfests zu Bachs 200. Todestag 1950 in Leipzig, bei dem unter Schirmherrschaft von Wilhem Pieck Bach zum „Nationalmusiker der Sowjetzone“ erklärt wurde. An dem westdeutschen Konkurrenzfest in Göttingen 1950, unter Schirmherrschaft von Theodor Heuß, wirkte die Bachgesellschaft ebenfalls mit. In den 1950er Jahren entstand ein neues Bachfest, das bis heute existiert: in Tilford, Surrey, England, seit 1952. Viele Neugründungen gab es in den 1960ern: die Bachfestivals in Saint Donat, Halle/Westfalen, Mazamet-Castres, Köthen, die Thüringer Bachwochen (damals noch: Bach-Tage), in Würzburg und das Oregon Bach Festival.

Foto: André Nestler / Bachhaus Eisenach

Am Beispiel des Musikwissenschaftlers Harry Hahn wird gezeigt, dass 1950 keineswegs Reisefreiheit im geteilten Deutschland bestand: Vor dem Besuch des „Deutschen Bach-Feier“ der DDR in Leipzig mussten viele Nachweise erbracht und Einreisegenehmigungen eingeholt werden. Keine solchen Probleme, abgesehen von der abgelegenen Lage in Frankreich an der Grenze zu Spanien, hatte das kleine Bachfest in Prades 1950: Es war von Pau Casals zu Ehren von Bachs 200. Todestag ins Leben gerufen worden. Die Ausstellung präsentiert daraus Konzertplakate, Aufnahmen, Souvenirs und eine Medaille.

Foto: André Nestler / Bachhaus Eisenach

Im Westen und Osten nahmen die Bachfeste der Neuen Bachgesellschaft ab 1950 sehr unterschiedliche Entwicklungen: Während im Westen Hindemith und Adorno das Verständnis von Bach kontrovers diskutierten und in Frage stellten und Ensembles mit neuen Besetzungen, Einrichtungen, Tempi und vor allem der historischen Aufführungspraxis um die Bach-Liebhaber warben, mussten sich die Feste im Osten in das rigide Korsett staatlicher Kulturpolitik einpassen. Erst mit dem Mauerfall 1989 und der Wiedervereinigung 1990 endeten Schnüffelei, Bevormundung und die permanente Ausnutzung wissenschaftlicher und künstlerischer Leistungen zu Propagandazwecken.

Foto: André Nestler / Bachhaus Eisenach

In den 1970er und 1980er Jahren entstanden Bachfeste vor allem im Westen neu: in Aachen, Wiesbaden, in Sonora (Kalifornien), Victoria (Texas), Lüneburg, Heidelberg, Wiblingen (Ulm), Scranton (Northern Pennsylviani), Thun (Schweiz) und Aschaffenburg.

Von 1990 bis heute

Foto: André Nestler / Bachhaus Eisenach

In den 1990ern entstanden neue Bachfeste in Budapest (Ungarn), Harrisburg (Virginia), Georgetown (Washington), Lausanne (Schweiz), Combrailles (Frankreich), im Hudson Valley (New York) und in Stuttgart. Das seit 1990 jährliche Londoner Bachfest wurde in der Ausstellung nicht hier, sondern ganz zu Beginn eingeordnet, denn London hat die längste Bachfest-Tradition, obwohl es mehrerer Anläufe bedurfte, um sie als regelmäßige Feste zu etablieren.

Foto: André Nestler / Bachhaus Eisenach

Eine Nische zeigt Überlbeibsel von Bachfesten: viele Programme, T-Shirts und andere Souvenirs, die „Bach-Lampe“ der Thüringer Bachwochen, ein von allen Musikern signiertes Plakat des Bach Festivals in Oregon und die Büste der Brüder Micheli von ca. 1875, die 1885 im Festkonzert von Charles Widor zum Bicentenaire von Bachs Geburt im Pariser Konservatorium in der Mitte des Saals stand. Um die Nische finden sich Plakate neuer Bachfeste aus den 2000ern und 2010er Jahren: Gliwice (Polen), Montreal (Kanada), Armidale („New England Bach Festival“, Australien), Arnstadt, Weimar, Dordrecht (Niederlande), Toul (Frankreich), Ohrdruf, Chişinău (Moldawien), Idaho, Appenzell (Schweiz), Asunción (Paraguay), Malaysia und Jerusalem. Die Bachtage in Wien (Österreich), die es seit 2005 gibt, wurden inzwischen ergänzt. Lüneburg hat seit 2019 ein zweites regelmäßiges Bachfest, das ultraBACH-Festival. 

Foto: André Nestler / Bachhaus Eisenach

Die 2020er sind doch noch gar nicht vorüber! Neue Bachfeste gibt es schon in Rostock, Barmen (bei Wuppertal), Göttingen, Köln, Karlshorst (bei Berlin), Hamburg und Agathenburg (bei Stade). Eine Tafel erklärt, wie sich Veranstalter aus Deutschland und angrenzenden Ländern um Bachfeste der Neuen Bachgesellschaft bewerben können und welche Hilfestellungen sie hierbei leistet.

Foto: André Nestler / Bachhaus Eisenach

Eine Vitrine am Ende zeigt weitere Überbleibsel von Bachfesten: Ein Brief von Albert Schweitzer zum Bachfest in Mühlhausen 1959, ein Helmuth-Rilling-Bobblehead aus Oregon, ein Busticket zum ersten Bachfest in Saint Louis 1942, Eintrittskarten, Medaillen, ein Pin zum Tri-Bach-Festival in Kanada, Postkarten, ein Brief von Werner Heisenberg zum Bachfest 1958 in Göttingen und viele weitere Memorabilia erinnern an die lange Tradition der Bachfeste und die Begeisterung ihrer Veranstalter und ihrer Besucher.

Einmalige und beendete Bachfeste

Foto: André Nestler / Bachhaus Eisenach

Viele Bachfeste gibt es heute nicht mehr. Einige waren einmalig oder liefen nur wenige Jahre. Andere hatten über Jahrzehnte Erfolg, wie das „English Bach Festival“ (1963–2009), das „New England Bach Festival“ in Vermont (1969–2004), die „Berliner Bach-Tage“ (1970–2000), die „Bach Week“ in Chicago (1974–2024) oder das Bachfest im russischen Twer (1993–2023). Auf dieser Wand erinnern Programmhefte an diese früheren Bachfeste.

Die Treppenhäuser

Foto: André Nestler / Bachhaus Eisenach

Die Plakatsammlung des Bachhauses erfuhr im Zuge unseres Projekts mächtigen Zuwachs. Viele vergangene Bachfeste werden in den Treppenhäusern zu der Sonderausstellung gewürdigt. Allen Veranstaltern, die zu der Ausstellung ihre Plakate beigetragen haben, sei herzlich gedankt!

Foto: André Nestler / Bachhaus Eisenach

Das New England Bach Festival in Vermont war einmal das größte in der Welt. Ein Plakat von 1986 begrüßt die Besucher.

Foto: André Nestler / Bachhaus Eisenach

Dank einem von dem Projekt begeisterten Hornisten aus Oregon und einer ebenso Bach-begeisterten deutschen Bekannten von ihm finden sich gleich sechs schöne alte Plakate des Oregon Bach Festival in den Fluren und in der Ausstellung.

Foto: André Nestler / Bachhaus Eisenach

Manche Plakate geben bis heute Rätsel auf: Bachfeste in Ulm gab es dreimal bis 1950, doch wann entstand die „Bachwoche Ulm“ und wann und warum endete sie? Die Wiblinger Bachtage setzen seit 1985 die Bach-Tradition in Ulm fort. 

Foto: André Nestler / Bachhaus Eisenach

Carmel, ein Leipziger Plakatentwurf, Thüringen, Leningrad, Oregon: Nicht nur Musiker, auch viele Grafik-Designer lieben offensichtlich Bach.

Foto: André Nestler / Bachhaus Eisenach

Der einzige A0-Platz in den Treppenhäusern wurde frühzeitig an die Bachwochen Thun (Schweiz) vergeben.

Foto: André Nestler / Bachhaus Eisenach

Carmel, Mühlhausen (Thüringen) und München: Auch manche Plakate der Bachfeste der Neuen Bachgesellschaft waren Hingucker.

Foto: André Nestler / Bachhaus Eisenach

Unter Leitung von Prof. Dr. Salamon Kamp veranstalten die Ungarische Bachgesellschaft und die Evangelische Kirche Pest seit 1990 in Budapest jährlich eine Bachwoche. Das Plakat war zu groß für die eigentliche Ausstellung, nun hängt es prominent an ihrem Eingang.

Bachfeste in aller Welt

83 regelmäßig, meist jährlich stattfindende Bachfeste haben wir auf der Welt gefunden. Kennen Sie eines, das wir vergessen haben? Dann schreiben Sie uns eine Email: info@bachhaus.de PS: Die Wiener Bachtage werden demnächst ergänzt.

Bachfeste weltweit